von Ödön von Horváth
Regie: Jürgen Hagen
Schauspiel in sieben Bildern
Vor dem Bahnhof warten einige Personen auf den Zug, der sich natürlich verspätet. Endlich kommt der Zug, die Reisenden steigen ein und zurück bleiben der Bahnhofsvorsteher Thomas Hudetz und Anna. Diese macht sich einen Spaß daraus, mit dem feschen, aber überaus korrekten Mann zu kokettieren, küsst ihn gar gegen seinen Willen, um die Gattin zu ärgern, da donnert ein Zug vorbei und Hudetz erkennt zu seinem großen Schrecken, dass er es versäumt hat, ein Signal zu stellen. Ein Zugunglück mit 18 Toten -darunter Zugführer und Lokführer- ist die Folge.
Ein Staatsanwalt und ein Kommissar sind mit der Feststellung des Tathergangs beschäftigt. Die Frage ist: War das Signal auf Rot oder nicht? Der leichtverletzte Heizer wird vernommen und betont die Korrektheit des Lokführers. Hudetz besteht darauf, dass er sich nie etwas hat zuschulden kommen lassen. Da meldet sich Anna als Entlastungszeugin und behauptet, dass Hudetz das Signal rechtzeitig gestellt habe.
Vom Wirt erfährt der Staatsanwalt, dass Hudetz eine böse, kranke Frau hat, Hudetz verteidigt sie aber noch. Selbige wird dann auch vom Gendarmen gebracht, vernommen und behauptet zunächst, geschlafen zu haben. Dann jedoch, vom Wirt beschimpft und herausgereizt, schildert sie den wahren Hergang und belastet damit ihren Mann zu dessen großem Entsetzen. Anna streitet alles ab, es steht Aussage gegen Aussage und der Staatsanwalt sieht sich gezwungen, Hudetz festzunehmen.
Nach vier Monaten Untersuchungshaft ist Hudetz nun freigesprochen und rehabilitiert worden, das Ort bereitet einen großen Empfang für ihn vor. Anna bittet Hudetz heimlich um eine Aussprache am nächsten Abend unter dem Viadukt.
Am folgenden Abend unter dem Viadukt hat Anna furchtbare Gewissensbisse wegen ihres Meineides, sie fühlt sich verfolgt von den Schreien der Verletzten und den Toten. Sie will die Schuld nicht alleine tragen, aber Hudetz besteht darauf, dass alle Schuld die Anna trifft wegen ihres dummen Kusses. Dennoch, ihre hilfesuchende Offenheit zieht ihn an - er küsst sie.
Drei Tage später im Gasthaus Wilden Mann kommt Hudetz und erfährt, dass Anna jetzt schon seit drei Tagen spurlos verschwunden sei. Lebt sie überhaupt noch? Hat sie vielleicht einen Meineid geschworen damals und der Stationsvorsteher war wirklich schuld? Die Leute denken jetzt anders.
Einige Tage später in der Apotheke: Frau Leimgruber erzählt von Annas Beerdigung, dass Hudetz verschwunden ist und was die Leute über den Mord an Anna denken. Da erscheint Hudetz an der Tür. Er hat sich im Wald herumgetrieben und will einen zivilen Anzug haben. Er besteht auf seiner Unschuld, leugnet aber den Mord nicht, nur hat er vergessen, wie es geschehen war. Schließlich lehnt er den angebotenen Anzug ab und geht mit einem raschen Entschluss in die Nacht hinaus.
Am nächtlichen Ort des Unglückes tauchen nun der tote Zugführer und der tote Streckengeher auf. Sie warten auf Hudetz' Selbstmord, den sie ihm nahegelegt haben wollen. Doch Hudetz treibt es vom Viadukt herunter zum Tatort, um sich vor den Zug zu stürzen. Die beiden Toten versprechen ihm ein friedlich, wohliges Jenseits mit Kartenspielen und Biertrinken, da aber kommt auch noch Anna, und es gelingt ihr, den Geliebten vor dem heranbrausenden Eilzug 405 zu retten. Jetzt stellt Hudetz sich den Herren, die ihn suchen: "Ich hab mirs überlegt.“
Das Stück endet mit der Einsicht Hudetz', dass er am Leben bleiben muss, um die Schuld auf sich zu nehmen, um sich zu verantworten. Weder darf er sich selbst freisprechen (durch Festhalten an einer Lebenslüge), noch sich selbst richten (durch Selbstmord), sondern er muss vor hier und jetzt zu der Tat stehen.
Dadurch unterscheidet sich Hudetz von der Masse, dass er sich entwickelt vom kleinbürgerlichen Massenmenschen zu einem Individuum, das die Maßstäbe seines Handelns aus eigenem Erkennen herleitet und nicht aus der jeweils herrschenden öffentlichen Meinung.
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