Geschichte der Fanfare (Naturtrompete)
Die Geschichte der Fanfare (Naturtrompete) lässt sich bis in das 4. Jahrtausend vor Christus zurückverfolgen. Bei den ersten „Trompeten“ handelte es sich dabei um gerade Holz-, oder Bambus- Röhren ohne Mundstück und Trichter. Sie wurden wegen ihres weithin vernehmbaren Schalles als Signalinstrumente im zivilen, im militärischen und im religiösen Bereich eingesetzt. Im Krieg wurden mit ihrer Hilfe Kommandos übermittelt, die Kämpfer angefeuert und die Gegner in Furcht und Schrecken versetzt. Vielerorts galt die Trompete als heiliges Instrument. So soll zum Beispiel die ägyptische Trompete, welche etwa um 1400 v.Chr. geblasen wurde, von Gott Osiris erfunden worden sein. Auch bei den Assyrern und bei den Israeliten war die Trompete bekannt. Die israelitische Trompete war aus Silber und hieß „Chazozra“. Auf diesen Instrumenten wurde keine Musik nach unserer heute bekannten Art gespielt, denn man heulte, sang, murmelte oder prustete in die obere Rohröffnung, wobei „unheimliche Töne“ entstanden, die als eselsschreiend, roh, rauh, und schreckenerregend beschrieben wurden. Bei den alten Griechen hieß die Trompete „Salpinx“. Trompetenblasen soll auch eine Disziplin bei den Pythischen Spielen von Delphi (Musik- und Gesangswettbewerbe), die zu Ehren des Gottes Apollo durchgeführt wurden, gewesen sein (Sportwettbewerbe zu Ehren des Zeus wurden in Olympia durchgeführt). Die Römer verwendeten die langgestreckte „Tuba“ und das gebogene, hornähnliche „Cornu“ als Signalinstrumente in ihren Legionen und bei Gladiatorenkämpfen. Die Tuba wurde auch bei einem im April stattfindenden Trompeterfest geblasen. Ein weiteres römisches Instrument war der hakenförmige „Lituus“. Aus der Bronzezeit sind die Instrumente der Germanen, die „Luren", bekannt. Diese S-förmigen Instrumente aus Bronze-Guss waren durchweg konisch gefertigt, hatten keinen Schalltrichter, sondern einen Teller als Endstück und waren mit einem Mundstück versehen. Auch die Kelten hatten Trompeten, welche dem hakenförmigen, römischen Lituus ähnlich waren und „Karnyx“ genannt wurden.
Nach dem Fall des Weströmischen Reiches 476 n.Chr. wurde es in Europa still um die Trompete. Im Jahre 711 n.Chr. vielen die Araber, damals Sarazenen genannt, in Spanien ein. Als die Sarazenen 1073 n.Chr. Palestina eroberten brachen die europäischen Herrscher zu den Kreuzzügen auf um das „Heilige Land“ zu befreien. Man nimmt an, dass über die Sarazenen erstmals langgestreckte, aus leichtem Blech gefertigte Instrumente nach Zentraleuropa gelangten. Diese Trompeten wurde „Businen“ genannt.
Seit dem 10. Jahrhundert wurde den europäischen Bauern nach und nach das Recht auf Waffenbesitz entrissen. Gleichzeitig sorgte das erstarkende Königtum, dass das Volksaufgebot duch ein Aufgebot an berittenen Vasallen ersetzt wurde. Allmählich entstanden die Ritterheere, welche bis weit in das 14. Jahrhundert hinein das Militärwesen bestimmten. Die Busine war das Lieblingsinstrument der Ritter. Bereits im 13. Jahrhundert wurden die Businen mit wappenverzierten Standartentüchern versehen. Etwa um 1400 kam die Technik des Rohrbiegens auf. Man füllte die Röhren dazu mit Blei, das nach dem Biegen wieder ausgeschmolzen wurde. Die Trompeten konnten seit dieser Zeit in einer handlicheren, der heute noch gültigen Schlaufen- (oder Bügel-) Form hergestellt werden. Waren um 1300 nur vier Töne spielbar, konnten um 1400 bereits sechs bis acht Töne erzeugt werden. Man spielte aber immer nur einzelne Töne. Der helle, strahlende Klang fand Gefallen bei den Mächtigen der Zeit und die Trompete wurde zum Instrument des Adels und der Freien Reichsstädte. 1416 wurden die Trompeter unter kaiserlichen Schutz gestellt. Im 16. Jahrhundert begann man Melodien zu spielen. Im 17. Jahrhundert wurden die Feldtrompeter den Offizieren gleich gestellt und durften wie diese Straußenfedern am Hut tragen.
Das goldene Zeitalter der Naturtrompete war zwischen 1600 und 1750. Die großen Komponisten dieser Zeit, z.B. Bach und Haydn, begannen Stücke für die Trompete zu komponieren, wobei das e``` (das entspricht dem 20. Naturton) keine Seltenheit war. Per Kaiserlichem Edikt bildete sich 1623 die „Reichszunft der Heerpauker und Feldtrompeter“.
Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden an den Trompeten Klappen, Züge und Stimmbögen angebracht, damit der Tonumfang chromatisch erweitert werden konnte. Als um 1820 das Pumpventil und damit die Ventiltrompete entstand, wurde die Trompete voll melodiefähig. Damit begann der Niedergang der Naturtrompete.
Fanfarenzüge verwenden Naturtrompeten, hier allerdings meist Fanfaren genannt, die noch immer den im 17. Jahrhundert gebauten Modellen sehr ähnlich sind. Die Instrumente sind heutzutage zum größten Teil in ES gestimmt.
Ein traditioneller Fanfarenzug ist eine Musikgruppe, deren Musiker Naturtrompeten und Landsknechtstrommeln spielen. Einige Fanfarenzüge haben eine erweiterte Besetzung mit Nebeninstrumenten, die meistens aus Parforcehörnern, Kesselpauken, kleine Trommeln, große Trommeln oder Becken bestehen. Eine weitere Art der Fanfarenzüge ist der moderne Fanfarenzug. In diesen Fanfarenzügen werden hauptsächlich Es-Ventilfanfaren verwendet. Die weiteren Musikinstrumente unterliegen einer viel größeren Vielfalt als bei traditionellen Fanfarenzügen. Beispielsweise werden Tenorhörner, Marching Bell, Schulterbässe, Zugposaunen, diverse Sorten an Schlagwerk wie kleine Trommeln oder sogar komplette Schlagzeuge verwendet.
Die am häufigsten verbreitete Stimmung ist Es. Aufgrund der fehlenden Ventile werden bei Naturtrompeten die einzelnen Töne ausschließlich mit den Lippen produziert; daher ist nur die so genannte Naturtonreihe spielbar. Ein gemeinsames Spielen mit z. B. Spielmannszügen oder Blasorchestern ist daher nur bedingt möglich. Entsprechende Literatur, vor allem für Fanfarenzüge und Blasorchester, ist aber erhältlich. Bei modernen Fanfarenzügen kommen hingegen hauptsächlich Es-Ventilfanfaren zum Einsatz, gelegentlich sogar Trompeten, was ein chromatisches Spielen ermöglicht und so die Möglichkeit des Zusammenspiels mit anderen Blasmusikgruppen stark erweitert.
Die Landsknechttrommel
Die heute im Orchester verwendeten Trommeln in Tenorlage (Rührtrommel und Tenor- oder Wirbeltrommel) gehen auf den Prototyp der Landsknechtstrommel zurück, die in Europa seit dem späten Mittelalter verbreitet war.
Die Landsknechtstrommel hatte sich im 15. Jahrhundert aus der Spielmannstrommel entwickelt, einer kleinen, hölzernen Zylindertrommel mit zwei Fellen und mehreren Schnarrsaiten, die an einer Schlaufe vom Arm des Spielers hing und mit einer Hand angeschlagen wurde, während die andere Hand eine Flöte spielte. Da der Klang der Spielmannstrommel leise war - das Instrument musste leicht zu tragen und daher klein sein, fing man im 15. Jahrhundert an, seitlich angeschlagene Trommeln immer größer und klangstärker zu bauen, um sie auch für militärische Zwecke einsetzen zu können.
Die größeren Trommeln hingen nun nicht mehr vom Unterarm, sondern von der Schulter des Trommlers oder waren mit einem Riemen um die Hüfte des Spielers gebunden. Die weithin bekannten „Schweizerischen“ Trommeln wurden beim Trommelbau zum Vorbild. Während die kleine Spielmannstrommel als Folkloreinstrument weiterbestand, avancierte die neue Trommel großer Bauart zum wichtigen Instrument der Landsknechte und erhielt daher auch den Namen Landsknechtstrommel oder Rührtrommel („Soldaten Trummel“). „Trommeln und Pfeifen“ bildeten das Charakteristikum im Erscheinungsbild des gemeinen Fußvolkes (während die „Pauken und Trompeten“ die Kavallerie repräsentierten.
Die Landsknechtstrommel war zwischen 50 und 70 cm hoch (manche Modelle sogar einen Meter) und ca. 50 cm breit. Sie wurde mit zwei starken Stöcken angeschlagen. Die Schnarrsaiten wurden seit dem 16. Jahrhundert am Resonanzfell auf der Unterseite angebracht.
Die Hauptaufgabe der Landsknechtstrommel war es, Signale zu geben und den Marschierrhythmus zu markieren. Einzel-, Doppelschläge und Wirbel gehörten bereits zum üblichen Repertoire an Schlagtechniken
Die Wirbeltrommel
In den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde in der europäischen Militärmusik eine Trommel in Tenorlage ohne Saiten populär. Sie hatte einen Durchmesser von 40 - 45 cm und eine 30 – 50 cm hohe Zarge aus Holz.
Da sie hauptsächlich für Wirbel verwendet wurde, die aufgrund der fehlenden Saiten einen sehr düsteren Klangeindruck ergaben, wurde sie Wirbeltrommel (auch Tenor- oder Rolliertrommel) genannt. Noch heute ist sie in der Militärmusik in England und in den USA, wo sie mit weichen Paukenschlägeln angeschlagen wird, sehr beliebt, während sie im deutschsprachigen Raum nicht verwendet wird.
Auch im Orchester wurde und wird die Wirbeltrommel meist zur Ausführung von düsteren Wirbeln herangezogen, z.B. von Berlioz in seinem „Requiem“ (1837). Charles M. Widor schreibt 1905, die Wirbeltrommel diene in Orchestermusiken dazu, „den einzelnen Schlägen der Großen Trommel etwas Rollendes zu geben.“ Sie wird je nach gewünschtem Klang entweder mit Trommelstöcken oder mit weichen Filzschlägeln gespielt.
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